Der Sternenhimmel im Juli

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Am 1. Juli geht die Sonne um ca. 21:50 unter, am 2. Juli geht sie gegen 5:30 wieder auf. Bis weit in die Monatsmitte den bleibt der Nachthimmel in der nördlichen Hälfte Deutschlands aufgehellt, während es dann im Süden Deutschlands um Mitternacht schon wieder ein paar Stunden richtig dunkel werden kann. Am 30. Juli geht die Sonne bereits um 21:24 unter und am folgenden Morgen gegen 6:00 auf. Im Verlauf des Monats Juli werden die Nächte merklich länger, aber bis zum Monatsende wird es auch im hohen Norden Deutschlands um Mitternacht noch nicht vollständig dunkel.
Der Juli ist der Wetterstatistik zufolge der wärmste Sommermonat. Die am Tag angesammelte Wärme wird in der Nacht abgestrahlt und kann dann turbulente Luftströmungen erzeugen, die eine erhebliche Luftunruhe verursachen. Das erkennt man am kräftigen Funkeln der Sterne. Unter solchen Beobachtungsbedingungen sind astronomische Beobachtungen am Fernrohr bei hohern Vergrößerungen trotz sternklarem Himmel wenig aussichtsreich. In der zweiten Nachthälfte können die Bedingungen sich bessern, sodass man mit dem Fernrohr ein paar erfolgreiche Beobachtungen machen kann.
Eine milde klare Sommernacht ist jedoch auch ohne Fernrohr schön. Sie bietet die gute Gelegenheit, sich die Sternbilder des Sommerhimmels anzuschauen und sie etwas näher kennen zu lernen. Das geht am Besten auf einer abgelegenen Wiese unter dunklem Himmel, vielleicht mit einer drehbaren Sternkarte und einem handlichen Fernglas. Die Milchstraße kann nun um Mitternacht einen prachtvollen Anblick bieten.
Am 4. Juli erreicht die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn. Sie ist dann 152,1 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, 5 Millionen Kilometer mehr als beim sonnennächsten Punkt ihrer Bahn, den sie am 4. Januar durchläuft.
Am 5. Juli stehen die beiden Astroiden Vesta und Ceres im Sternbild Jungfrau in einem Abstand von nur zehn Bogensekunden voneinander. So nahe waren sie einander noch nie, seit Ceres vor 214 Jahren entdeckt wurde.
Am 12. Juli ist Vollmond im Sternbild Steinbock, der Mond ist dabei besonders groß und hell, da er befindet sich nahe dem erstnächsten Punkt seiner Bahn befindet, den er am 13. Juli erreicht. Am 27. Juli ist Neumond im Sternbild Krebs.
Am Abendhimmel kann man Mars und Saturn beobachten, am Morgenhimmel zeigt sich Venus und mit etwas Glück auch Merkur in der Morgendämmerung. Einen sternklaren dunklen Nachthimmel kann man im Süden Deutschlands im letzten Julidrittel genießen, weil der Mond nicht mehr stört. Nach Mitternacht kann man mit Glück Uranus und Neptun im Fernrohr aufs Korn nehmen.

Erster Überblick ein Stunde nach Sonnenuntergang

Eine Stunde nach Sonnenuntergang senkt sich im Westen das Sternbild Löwe zum Horizont. Nahe bei Spica im Sternbild Jungfrau leuchtet der Mars. Das Sternbild Bärenhüter mit dem hellen Arktur steht hoch am Himmel und hat den Meridian überschritten. Unterhalb des Bärenhüters erkennen wir die helleren Sterne der Waage und östlich davon sehen wir in seinem ruhigen Licht Saturn. Weiter östlich zeigt sich der vordere Teil des Skorpions mit seinem Hauptstern Antares über dem Horizont.
Südöstlich des Bärenhüters erstreckt sich das große Sternbild Schlangenträger, zusammen mit dem Kopf und dem Schwanz des Sternbilds Schlange. Hoch im Osten funkelt Wega in der Leier, und im Nordosten sehen wir den Schwan mit dem hellen Deneb. Unterhalb des Schwans erkennen wir Altair im Sternbild Adler. Östlich des Adlers zeigt sich der markante, kleine Sternenrhombus des Sternbilds Delfin. Wenn wir den Blick von der Leier langsam hinüber zum Bärenhüter wandern lassen, zieht er dabei über die beiden Sternbilder Herkules und Nördliche Krone hinweg. Zwischen dem Zenit und dem Polarstern windet sich das Sternbild Drache in einem weiten Bogen um das Sternbild Kleiner Bär. Westlich des Bärenhüters erkennen wir die Sterne den Großen Bären, dessen langer Schwanz, der volkstümlich als die „Deichsel des Großen Wagens“ bezeichnet wird, im weiten Bogen auf Arktur im Bärenhüter zielt. Aufgrund der Erddrehung sehen wir den Großen Bären immerzu vor dem Bärenhüter um den Himmelspol ziehen. Der Sage nach treibt ihn der Bärenhüter dazu an, wobei er von seinen beiden Jagdhunden Chara und Asterion unterstützt wird. Wir sehen diese Hunde als zwei Sterne unter dem Bogen der Deichselsterne. Chara (Alpha Canes Venaticorum) und Asterion (Beta Canes Venaticorum). Vor der Antike sah man im Großen Wagen einen Pflug, der von vier Ochsen gezogen wurde, und das Sternbild Bärenhüter hieß „Ochsentreiber“ („Bootes“).  

23:00 Uhr bis 01:00 Uhr

Mars

Mars ist im Juli das hellste Objekt im Sternbild Jungfrau. Er befindet sich dort nahe dem hellen Stern Spica. Man kann im Laufe des Monats sehen, wie Mars relativ zu Spica am Himmel in östliche Richtung wandert. Mars ist 0,1m hell und zeigt sich im Fernrohr als 9 Bogensekunden großes Scheibchen. Wegen der Luftunruhe ist es aber sehr schwierig, Details auf der Marsoberfläche zu erkennen.

Saturn

Der Ringplanet steht nun ebenfalls günstig für eine Beobachtung am Sommerhimmel. Der 0,4m helle Saturn zeigt sich im Fernrohr als Scheibchen von 17,8 Bogensekunden Durchmesser. Im Fernrohr sind bei 30facher Vergrößerung der Ring um Saturn sowie der helle Saturnmond Titan leicht zu sehen. Ist die Luftunruhe gering, kann man bei höherer Vergrößerung im mittelgroßen Fernrohr auch die Saturnmonde Thetis, Rhea und Dione erkennen, sowie den feinen Schatten, den der Ring auf den Planeten wirft, und den Schatten, den der Planet auf seinen Ring wirft.

Bootes (Bärenhüter)

Nördlich von Saturn leuchtet orangegelb Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riese, 36 Lichtjahren entfernt. Er ist einer der vielen alten Halosterne unserer Milchstraße, zur Zeit durchquert er die Scheibe der Milchstraße mit hoher Relativgeschwindigkeit zu uns.
Die hellen Sterne des Bärenhüters zeigen am Himmel eine Anordnung in der Form einer spitzen Eiswaffel, deren zum Horizont weisende Spitze von Arktur gebildet wird.
Das Sternbild enthält mehrere eindrucksvolle Doppelsterne. Izar (Epsilon Bootis) zeigt zwei verschiedenfarbige Partner in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden, orange und blau. Im 19. Jahrhundert bekam Izar deshalb den lateinischen Namen „Pulcherrima“, was übersetzt „Die Allerschönste“ bedeutet. Ein weiterer Doppelstern ist der 4,5m helle 44 Bootis. Seine Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand beträgt aktuell ca. 3 Bogensekunden. Der Schwächere der beiden Partner von 44Bootis ist seinerseits ein Doppelstern, dessen Partner einander in weniger als 6,5 Stunden umkreisen, wobei sie einander regelmäßig bedecken und Schwankungen der Helligkeit dieses Sterns verursachen. 
Der 4,5m helle Xi Bootis ist ein Doppelstern, dessen beide ungleich hellen Partner rötlich erscheinen. Xi liegt ca. 8,5° östlich von Arktur.

Corona Borealis

Östlich vom Bärenhüter sehen wir die nach Norden geöffnete Sternenkette des kleinen, aber markanten Sternbilds Corona Borealis (Nördliche Krone). Ihr 2,2 m heller Hauptstern trägt den lateinischen Namen Gemma, was „Edelstein“ bedeutet. Am warmen Julihimmel kann man Gemma in der Tat zuweilen in allen Farben funkeln sehen. 3,5° östlich von Gemma liegt Delta Coronae Borealis, 2° nördlich von Delta liegt R Coronae Borealis, ein bekannter Veränderlicher Stern von oranger Farbe. In unregelmäßigen Abständen stößt R so gewaltige Rußwolken aus, dass sie sein Licht stark verdüstern. Dadurch kann dieser Stern spontan für Monate und manchmal sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. Dann ist der sonst schon im kleinen Fernglas mühelos erkennbare R Coronae Borealis selbst im 10-Zöller nicht mehr zu sehen.

Herkules

Östlich des Sternbilds Corona Borealis sehen wir die Sterne des Sternbilds Herkules. Der Hauptstern Ras Algethi steht am südlichen Rand des Sternbilds und stellt den Kopf des Herkules dar. Ras Algethi ist ein sehr schöner, aber auch sehr enger Doppelstern, dessen Partner einen ausgeprägten Farbkontrast zeigen: der eine Partner ist orange, der andere erscheint blaugrün. Je größer die Öffnung des Fernrohrs ist und je höher darin die Vergrößerung ist, desto besser eindrucksvoller ist der Anblick.
Das Sternbild Herkules enthält zwei der hellsten Kugelsternhaufen des nördlichen Himmels. In der zweiten Julihälfte kann man versuchen, diese beiden Sternhaufen zu beobachten. Den 6m hellen M13 finden wir auf der Verbindungslinie von Eta Herkulis nach Theta Herkulis, von Eta Herkulis aus gesehen nach einem Drittel dieser Linie. Er ist schon im kleinen Fernglas ein auffälliges Objekt. In Fernrohren ab vier Zoll Öffnung werden seine Randbereiche in Einzelsterne aufgelöst. In Fernrohren großer Öffnung kann M13 unter dunklem Himmel einen unvergesslichen Anblick bieten.
Der zweite helle Kugelsternhaufen im Herkules ist der 6,5m helle M92. Er liegt ca. 6,3° nördlich des 3,2m hellen Pi Herkulis. Im Vergleich zu M13 sind die Sterne in M92 zum Zentrum hin stärker konzentriert als die von M13, ansonsten erscheinen beide Kugelsternhaufen gleich hell. Dennoch wird M92 viel seltener beobachtet als M13.

Leier

Das Sternbild Leier steht gegen 0:00 nun fast im Zenit. Es ist eines der kleinsten Sternbilder, enthält jedoch Wega, einen der hellsten Fixsterne des Sommerhimmels. Dadurch ist es am Himmel stets leicht aufzufinden. Wega ist ein Stern der Spektralklasse A0 und mit nur 25 Lichtjahren Entfernung einer der nächsten Sterne in unserer Sonnenumgebung.
Südlich von Wega liegt der kleine Sternenrhombus des Sternbilds Leier, der aus dem Doppelstern Zeta Lyrae, dem Doppelstern Delta Lyrae, aus dem Stern Gamma Lyrae und aus Sheliak (Beta Lyrae) besteht. Zwischen Gamma Lyrae und Sheliak finden wir im Fernrohr bei mäßiger Vergrößerung den Planetarischen Nebel M57, den berühmten „Ringnebel“. 4,5° südöstlich von Gamma Lyrae können wir im mittelgroßen Fernrohr den kleinen Kugelsternhaufen M56 beobachten.
Nordöstlich von Wega sehen wir einen Stern, der schon dem bloßen Auge länglich erscheint. Das ist Epsilon Lyrae. Schon in einem Fernglas sieht man Epsilon als Doppelstern. Vergrößert man  Epsilon im Fernrohr ca. 100fach, erscheint jeder der beiden Partner von Epsilon selbst wiederum doppelt. Somit besteht Epsilon Lyrae tatsächlich aus vier Sternen, die einander in Jahrhunderten paarweise umkreisen.

Schwan

Das Sternbild Schwan zeigt sich um 0:45 als eindrucksvolles Sommersternbild mit ausgebreiteten Schwingen und lang gestrecktem Hals hoch am Nachthimmel. Den Kopf bildet Albireo (Beta Cygni), den Körper markiert Sadr (Gamma Cygni), den Schwanz Deneb (Alpha Cygni). Der nördliche Flügel wird durch die beiden Sterne Delta Cygni und Iota Cygni gebildet, den südlichen Flügel zeichnen die Sterne Gienah (Epsilon Cygni) und Zeta Cygni.
Wir schauen zunächst auf Albireo. Dieser mit 3m für das bloße Auge recht unscheinbare Stern erweist sich schon im Fernrohr ab zwei Zoll Öffnung als schöner farbiger Doppelstern: ein Partner ist orange, der andere saphirblau. Zwischen Albireo und Sadr liegt ein reiches Milchstraßenfeld, ideal für Ferngläser und Fernrohre aller Größen. Der hellste Stern in diesem Gebiet ist der 3,9 m helle Eta Cygni. 2,5° südsüdwestlich von Eta liegt Chi Cygni. Dies ist ein Veränderlicher Stern vom Mira-Typ, seine Helligkeit schwankt regelmäßig innerhalb von ca. 409 Tagen zwischen 3,5 m und 14 m, sein nächstes Maximum hat Chi erst im Januar 2014.
Ca. 5° nordwestlich von Deneb sehen wir mit dem bloßen Auge ein helles Sternenpaar: Omicron 1 Cygni und Omicron 2 Cygni. Omicron 1 ist ein Doppelstern, der hellere Partner ist orange, der kleinere Partner ist blau, und in 5 Bogenminuten Abstand zu beiden sehen wir im Fernrohr einen weiteren blauen Stern: 30 Cygni. Auch Delta Cygni ist ein Doppelstern, hier muss man aber höher vergrößern, um beide Partner getrennt zu sehen, da sie nur 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben.
Ca. 6° nordöstlich von Epsilon Cygni liegt der 6m helle Doppelstern 61 Cygni. Er ist mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, aber im Fernglas sieht man ihn mühelos. Friedrich Wilhelm Bessel führte im Jahre 1831 über tausend systematischen Parallaxenmessungen von 61 Cygni durch und bestimmte auf dieser Datenbasis die Entfernung von 61 Cygni zu 11,3 Lichtjahren. Das war die erste erfolgreiche Bestimmung einer Fixsternentfernung.

Pfeil

Das Sternbild Pfeil ist klein, aber leicht zu finden. Es liegt zwischen den Sternbildern Schwan und Adler.
Die drei Sterne Eta, Gamma und Delta Sagittae bilden den Schaft des Pfeils, Alpha und Beta Sagittae stellen die beiden Steuerfedern dar.
Ca. 1,5° östlich von Delta Sagittae können wir im lichtstarken Fernglas ein mattes Nebelfleckchen erkennen, das sich bei höherer Vergrößerung in lichtstarken Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung als dichter, dreieckiger Sternhaufen aus schwachen Sternen entpuppt. Dies ist M71. Bis vor kurzem war unklar, ob es sich bei M71 um einen sehr alten Offenen Sternhaufen oder um einen verformten Kugelsternhaufen handelt. Heute weiß man, dass M71 ein Kugelsternhaufen ist, der im Laufe von Jahrmilliarden auf seiner Umlaufbahn um das Zentrum der Milchstraße viele seiner Sterne an diese verloren hat.
Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae stoßen wir im Fernglas auf einen ungewöhnlich geformten Offenen Sternhaufen, dessen helle Mitglieder in Form eines Kleiderbügels angeordnet sind. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ heißt offiziell „Collinder 399“, er liegt knapp jenseits der Grenze des Sternbilds Pfeil bereits im angrenzenden Sternbild Füchslein. Ca. 2° westlich des Kleiderbügelhaufens sind wir aber wieder im Gebiet des Sternbilds Pfeil, und hier liegt der 6,2m helle, blauweißer Stern U Sagittae. U Sagittae ist ein Bedeckungsveränderlicher, dessen Helligkeit regelmäßig nach 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten abrupt von 6,2m auf 9,2m abfällt.

Füchslein

Das Füchslein ist ein unauffälliges Sternbild, da es keine hellen Sterne enthält. Es liegt südlich des Sternbilds Schwan und nördlich des Sternbilds Pfeil. Besondere Objekte im Sternbild Füchslein sind der schon erwähnte „Kleiderbügelhaufen“ sowie M27, der „Hantelnebel“.
M27 ist ein großer und heller Planetarischer Nebel. Er liegt ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Gamma Sagittae und ist von diesem Stern ausgehend leicht aufzufinden. Bei klarem, mondlosem Himmel ist M27 schon im Fernglas als Nebelfleck zu erahnen. Im Fernrohr sieht man bei M27 bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung, die diesem Nebel den Namen „Hantelnebel“ eingetragen hat. In Fernrohren größerer Öffnung kann man im Hantelnebel den 13m hellen Zentralstern und zahlreiche weitere Strukturen erkennen, ein Nebelfilter (UHC, O III) ist bei der Beobachtung solcher Nebel sehr vorteilhaft.

Schlangenträger und Schlange

Das Sternbild Schlangenträger wurde in der Antike erfunden, um an den Asklepios zu erinnern, dem Sohn des Apolls und vom Zentauren Chiron ausgebildeten sagenhafter Arzt. Asklepios lernte von einer Schlange, wie man Tote zum Leben erwecken kann. Hades, der Herrscher des Totenreichs, erfuhr davon und bat er seinen Bruder Zeus, den Asklepios töten zu lassen. Hades fürchtete nämlich, dass das Treiben des Asklepios schließlich den Zustrom der Toten in sein Reich zum Versiegen bringen könnte. Zeus folgte dieser Bitte, versetzte den Asklepios jedoch anschließend gemeinsam mit seiner Schlange als Sternbilder an den Himmel. So wurde der tote Asklepios als Sternbild unsterblich.
Das Sternbild Schlangenträger liegt zwischen dem Herkules und dem Skorpion. Sein hellster Stern Ras Alhague liegt im Norden des Sternbilds, er stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers liegt der nach oben gerichtete Hals des Sternbilds Schlange, gebildet durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Die Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bilden den kleinen, dreieckigen Kopf der Schlange.
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk erkennt man im Fernglas ein rundliches Wölkchen. Das ist der helle Kugelsternhaufen M5. Da M5 relativ nah zu uns liegt, wird er schon im Fernrohr ab zwei Zoll Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst.
Östlich des Schlangenträgers sehen wir eine Sternenkette, die den nach oben gerichteten Schwanz der Schlange markiert. Sie zieht sich von My Serpentis über Xi Serpentis, Eta Serpentis bis hin zu Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern für kleine Fernrohre. Beide Partner sind hell und weiß.
Im Schlangenträger liegen die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Sie sind manchmal bereits im lichtstarken Fernglas erkennbar. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior und wird schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb. Im südlichen Teil des Sternbilds liegen ein Dutzend weiterer Kugelsternhaufen, von denen man einige unter günstigen Bedingungen schon im lichtstarken Fernrohr erkennen kann. Wir blicken hier ja in die Richtung des Zentrums unserer Milchstraße, um das die meisten Kugelsternhaufen konzentriert sind.

Skorpion

Das Sternbild Skorpion erstreckt sich südlich des Schlangenträgers und enthält viele helle Sterne. Beide Sternbilder ziehen fast gleichzeitig durch den Meridian.
Der hellste Stern im Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt, er ist ein Roter Überriese von ca. 15 Sonnenmassen mit 9000 Sonnenleuchtkräften und mit mehr als einer Milliarde Kilometern Durchmesser. Antares ist ein Doppelstern, sein 6,5m heller grünlicher Partner steht in nur drei Bogensekunden Abstand. Bei guten Beobachtungsbedingungen ist der Antares-Begleiter auch in Fernrohren ab 10 cm Öffnung sichtbar, obwohl Antares 200 Mal heller ist.
Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein hübscher Doppelstern, was schon in kleinen Fernrohren gut zu erkennen ist. Er liegt 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Schon im kleinen Fernrohr zeigt sich Alniyat als Doppelstern. Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Sein Begleiter ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.
Ca 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. M4 ist nicht sehr hell und enthält weniger Sterne als viele andere Kugelsternhaufen. M4 ist jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt und ist daher der am nächsten stehende Kugelsternhaufen. Daher kann er mit jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Sterne aufgelöst gesehen werden.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Er ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Von Mitteleuropa aus erscheint M6 wegen seiner horizontnahen Position häufig schwächer, als er tatsächlich ist. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen, in einem lichtstarken Fernrohr zeigt M6 bei klarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, weshalb der Sternhaufen auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt ist. 

01:00 Uhr bis 04:00 Uhr

Gegen 1:00 steht Wega im Zenit. Der Schlangenträger hat den Meridian überquert. Im Südwesten sehen wir die Sterne des Skorpions über den Horizont ragen. Über dem Südhorizont sehen wir die das markante Sternenmuster des Sternbilds Schütze. Östlich davon sehen wir die Sterne des Steinbocks. Hoch im Osten erkennen wir das Sternenquadrat des Pegasus.

Schild

Südöstlich des Schwanzes der Schlange liegt am Sternenhimmel das kleine Sternbild Schild. Es enthält keine auffälligen Sterne und wird daher von Beobachtern meistens übersehen. Die Milchstraße verläuft jedoch durch dieses Sternbild, daher enthält es einige Offene Sternhaufen. Sehr schön ist der Offene Sternhaufen M11, den wir ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae finden. Dieser kleine, helle Sternhaufen wurde bereits 1681 von Gottfried Kirch entdeckt. Er heißt auch „Wildentenhaufen“, weil er an einen dichten Schwarm von Wildenten erinnert, die von einem See auffliegen.
Das Himmelsareal unmittelbar südlich von M11 enthält eine ausgedehnte Milchstraßenwolke aus unzähligen Sternen, die als „Schildwolke“ bekannt ist. An dieser Stelle bietet uns der Himmel einen von Dunkelwolken weitgehend unverstellten Blick auf dichte Sternenmassen, die in einer Entfernung von über 20000 Lichtjahren in der Nähe des Milchstraßenzentrums liegen. Diese Region ist von ausgedehnten Dunkelwolken umrahmt. Sie bietet im lichtstarken Fernglas am mondlos klaren Sternenhimmel einen faszinierenden Anblick.

Schütze

Südlich des Sternbilds Schild liegt das Sternbild Schütze. Es enthält 15 Messier-Objekte, das sind mehr als in jedem anderen Sternbild. Leider erhebt sich das Sternbild Schütze in Deutschland nur wenig über den Südhorizont. Doch wenn die Nachtluft bis zum Südhorizont klar ist, und wenn man dann von einem hoch gelegenen, dunklen Standort mit freier Sicht nach Süden aus beobachtet, kann man ab der zweiten Monatshälfte um Mitternacht viele der hellen Messier-Objekte des Sternbilds Schütze mit bloßem Auge sehen.
Die hellsten Sterne im Schützen bilden am Himmel ein markantes Muster, das sehr an eine rundliche Teekanne mit Deckel erinnert. Lambda Sagittarii markiert die Spitze des Kannendeckels, Gamma Sagittarii rechts die Spitze der Ausgusstülle, Theta, Sigma, Tau und Zeta bilden links den Henkel.Ca. 2,3° nordöstlich von Lambda finden wir im Fernglas ein kugeliges Nebelchen, den Kugelsternhaufen M22. Das ist tatsächlich der hellste Kugelsternhaufen, der von Mitteleuropa aus beobachtet werden kann. Ein Grad nordwestlich von Lambda stoßen wir im Fernglas auf ein weiteres kleines Wölkchen, den Kugelsternhaufen M28. Ca. 5,5° westlich von Lambda fällt dem bloßen Auge bei klarem Himmel ein weiterer Nebel auf, das ist M8, der berühmte „ Lagunennebel“. Ca. 1,5° nördlich des Lagunennebels finden wir M20, den „Trifidnebel“. Fast 5° nördlich von My Sagittarii liegt der zarte M17, der als „Omeganebel“ bekannt ist, und dazwischen dehnt sich im Fernglas prachtvoll die sternreiche Milchstraßenwolke M24.

Steinbock

Östlich des Sternbildes Schütze sehen wir die Sterne des Steinbocks. Sein hellster Stern ist Algiedi (Alpha Capricornis), er zeigt sich im Fernglas als Doppelstern, die beiden Partner sind aber kein physisches Paar, sondern stehen von uns aus gesehen nur in der selben Richtung. Unterhalb von Algiedi sehen wir Dabih (Beta Capricornis). Dabih ist ein hübscher Doppelstern, der schon im kleinen Fernrohr bei niedriger Vergrößerung getrennt gesehen wird, der helle Hauptstern ist orange, der schwächere Begleiter erscheint blauweiß.
Von Dabih ausgehend zieht sich nach Osten hin eine Sternenkette aus den Sternen Theta, Iota, Gamma und Delta Capricornis.
Bei klarem Himmel und guter Horizontsicht können wir im Fernrohr ca. 6, 5° südlich von Gamma Capricornis den Kugelsternhaufen M30 als kleinen, rundlichen Nebel mit hellem Kern erkennen. Um diesen Kugelsternhaufen vollständig in Einzelsterne aufgelöst zu sehen, benötigt man jedoch außer guter Luftruhe ein Fernrohr großer Öffnung und eine hohe Vergrößerung.

Wassermann

Das Sternbild Wassermann erstreckt sich am Himmel nördlich sowie östlich des Steinbocks. Ca. 4,5° nördlich des 2,9m hellen Sterns Mesarthim (Beta Aquarii) stoßen wir mit dem Fernglas auf einen schwachen, rundlichen Nebelfleck, das ist der Kugelsternhaufen M2. Im Zweizöller zeigt sich M2 als ein runder Nebel mit einem Durchmesser von 6 Bogenminuten und mit einem hellen Zentrum. Erst bei Vergrößerungen ab 150fach in Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung lässt sich M2 fast bis in sein Zentrum in zahllose Einzelsterne auflösen.
Im Sternbild Wassermann befindet sich der Neptun. Der 7,9m helle Planet kann mit dem Fernglas zwischen Lambda Aquarii und Sigma Aquarii aufgefunden werden, Im mittleren Fernrohr zeigt er sich bei hoher Vergrößerung als blassblaues Scheibchen von 2,33 Bogensekunden Durchmesser. Neptun ist ca. 4,4 Milliarden Kilometer von uns entfernt.

Abschließender Überblick

Schon ab 3:00 beginnt der Nachthimmel im Nordosten heller zu werden. Dann sind mit dem bloßen Auge im Schützen plötzlich keine Nebel mehr zu erkennen und die Milchstraße, die sich über uns von Nordost über den Zenit bis zum südwestlich Horizont spannt, verliert ihre Pracht und wirkt nun matt und unauffällig. Nach und nach verschwinden alle schwachen Sterne, schließlich sind nur noch die hellsten Sterne der Sternbilder zu sehen. Die Nacht geht Ende.
Es ist sehr still. Im ersten grauen Dämmerungslicht sind überall auf der Wiese schemenhaft betaute Spinnweben zu erkennen. Eine kleine Eule fliegt lautlos über uns hinweg. Wir bauen unsere vom Tau feuchten Geräte ab, trocknen die Fernrohre mit Frotteetüchern und verstauen alles umsichtig und müde und sorgfältig im Auto.
Dann stehen wir, schauen nach oben, da sehen wir schwach das Sternbild Cassiopeia im Zenit. Wir schauen nach Osten, wo im Horizontdunst matt die Venus erkennbar wird. Über dem Südhorizont nehmen wir mit Mühe einen weiteren matten Stern wahr. Das muss Formalhaut sein, der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch, und darüber sind halbhoch die Sterne des Sternbilds Pegasus zu erahnen. Das sind schon die Herbststernbilder. 

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Ausführliche Informationen finden Sie hier.



 

 

 

 

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